Joachim Löw und die Qual der Wahl

Confed Cup: Nach dem 4:1 im Halbfinale gegen Mexiko

Joachim Löw und die Qual der Wahl

Von Marcus Bark (Sotschi)

Der Confed Cup zeigt, dass Bundestrainer Joachim Löw eine bemerkenswert große Auswahl haben wird, um den Kader für die Weltmeisterschaft 2018 zu benennen.

Der Flug geht vom südlichsten in den nördlichsten Spielort. Statt der Sonne in Sotschi am Schwarzen Meer erwartet die deutsche Nationalmannschaft in St. Petersburg zehn Grad kühlere Temperaturen und Dauerregen. Das ist besonders schade, denn die letzten Weißen Nächte, in denen es kaum dunkel wird, stehen an.

Die Betonung bei Dienstreise liegt bei Joshua Kimmich jedoch auf Dienst. "Wir sind nicht hier, um Urlaub zu machen, wir sind hier, um das Finale zu gewinnen. Was da für ein Wetter ist, ist mir völlig egal", sagte der Münchner nach dem 4:1 gegen Mexiko. "Der Drang, gegen Chile mal zu gewinnen, ist schon sehr groß", blickte auch Bundestrainer Joachim Löw dem Finale des vor Wochen noch nahezu bedeutungslosen Turniers voller Ehrgeiz entgegen.

Kleiner Bonus durch den Titel

Ein Titel, das wäre schon etwas mit dieser jungen Mannschaft. Titel bringen einen Pokal und auch einen Bonus, das zeigte die Vergangenheit. André Schürrle etwa gewann mit Deutschland die Weltmeisterschaft 2014. Löw lud ihn daher immer wieder ein, auch wenn die Leistungen im Verein mau waren. Sebastian Rudy hätte zumindest einen kleinen Bonus, wenn am Sonntag (02.07.17) ein Erfolg gegen Chile gelänge.

Rudy ist eine der prägenden Figuren beim Confed Cup. Er spielt auf der strategisch wichtigsten Position im defensiven Mittelfeld ein starkes Turnier, auch wenn andere Kollegen die spektakulären Szenen haben. Leon Goretzka etwa, der nun genau wie Timo Werner mit drei Treffern die Torschützenliste anführt.

Spekulationen wie am Aktienmarkt

Die letzte Frage, die am Donnerstag (29.06.17) während der Pressekonferenz an den Bundestrainer gestellt wurde, war: "Glauben Sie, dass Sie zur WM 2018 mehr als die angekündigten zwei bis drei Perspektivspieler mitnehmen werden?" Löw antwortete: "Ich denke ja."

Jubel bei der DFB-Elf

Jubel bei der DFB-Elf

Solche Aussagen lösen Spekulationen aus, ähnlich wie an der Börse. Wen wird er meinen? Wessen Aussichten sind gesunken? Sicher die von Shkodran Mustafi, den Löw nach dem Auftaktspiel gegen Australien noch zum Gerüst zählte, der dann aber gegen Kamerun und Mexiko nur auf der Bank saß.

Praktisch die Hälfte der Plätze ist schon vergeben

Noch eine ganze Saison liegt zwischen Confed Cup und der Nominierung für die WM. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass es ein ganz hartes Jahr des Siebens für den Bundestrainer werden wird. Faktisch geht es um 23 Plätze, praktisch ist fast die Hälfte schon vergeben.

Falls die Protagonisten gesund und halbwegs in Form bleiben, werden Manuel Neuer, Marc-André ter Stegen, Jérôme Boateng, Mats Hummels, Toni Kroos, Mesut Özil. Thomas Müller, Joshua Kimmich, Sami Khedira und Jonas Hector dabeisein, um den Weltmeistertitel zu verteidigen. Dazu kommt ein dritter Torwart, bei dem es auch darum gehen wird, sozialverträglich zu sein.

Es bleiben zwölf Plätze und eine sehr lange Liste mit Spielern, die etwa einen Bonus haben wie Benedikt Höwedes, Julian Draxler und Mario Götze. Dann gibt es Kandidaten, die sicher dabei sein werden, sofern sie fit sind. Zu dieser Gruppe gehören Marco Reus und Ilkay Gündogan.

Wohin mit all dem Talent?

Wohin dann mit all dem Talent eines Goretzka, Werner, Julian Weigl, Benjamin Henrichs, Julian Brandt, Leroy Sané? Wohin mit Rudy, Antonio Rüdiger, Matthias Ginter, Niklas Süle, Lars Stindl, Emre Can? Gut möglich, dass sich auch zwei Spieler noch nach vorne drängen, die mit der U21 die Chance haben, Europameister zu werden. Serge Gnabry? Mitchell Weiser? Jonathan Tah?

Deutschland hat eine so breite Basis wie kaum eine andere Nation. Die Saison wird auch von diesem Konkurrenzkampf geprägt sein. Rudy und Süle müssen bei ihrem neuen Verein FC Bayern auf ihre Einsatzzeiten kommen, um die Chance auf die WM zu wahren. Spieler wie Stindl müssen den Nachteil ausgleichen, dass ihnen der europäische Wettbewerb fehlt, um sich zu präsentieren.

Die Weißen Nächte 2018

Am Sonntag gegen Chile geht es darum, erstmals den Confed Cup zu gewinnen. Zugleich beginnt die lange heiße Phase, in der sich die deutschen Nationalspieler darum bewerben, auch die Weißen Nächte 2018 in Russland zu verbringen.

Stand: 30.06.2017, 05:00

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