Henrichs - Immer das richtige Timing

Benjamin Henrichs freut sich über seine Vorlage im Spiel gegen Kamerun

Confed Cup: Der Jüngste überzeugt beim Halbfinalsieg gegen Mexiko

Henrichs - Immer das richtige Timing

Von Marcus Bark (Sotschi)

Benjamin Henrichs ist genau zum richtigen Zeitpunkt in die Startelf gerutscht, um in der deutschen Nationalmannschaft beste Werbung für sich zu machen. Der Verteidiger steht für das richtige Timing in vielen Bereichen.

Für die Nationalspieler beginnt ein Training mit dem Warmmachen, auch wenn dieser Begriff vermutlich nur noch in den Kreisligen benutzt wird. Reporter starten mit dem Durchzählen. In den Einheiten beim Confed Cup in Russland kamen sie jeweils auf 21. Alle Spieler da. Immer. Nicht mal jemand, der zur Regeneration im Hotel blieb. Nur Emre Can musste mal ein Training abbrechen. Am nächsten Tag stand er aber in der Startelf. Joachim Löw hatte stets die freie Auswahl, und er nutzte das.

Vier Änderungen gab es jeweils zum nächsten Spiel. Beim Finale dürfte sich das ändern. "Die Mannschaften kennen sich, da dürfte es keine Überraschungen geben", sagte der Bundestrainer mit Blick auf das Finale am Sonntag (02.07.17) gegen Chile.

Es gibt auch keinen Grund, etwas zu ändern, denn beim 4:1 im Halbfinale gegen Mexiko lief es bestens, auch wenn der Gegner zu vielen Abschlüssen kam. Chile hat einen ähnlich Spielstil wie die Mittelamerikaner. Joshua Kimmich dürfte in der Dreierkette gegen die wendigen und trickreichen Stürmer wieder besser aufgehoben sein als der kantige Niklas Süle.

Jüngster Spieler im Kader

Benjamin Henrichs war die einzige Überraschung in der Startelf. Er rückte auf die Position, die Kimmich zuvor beim 1:1 in der Gruppenphase gegen Chile und gegen Kamerun besetzt hatte. Schon in der sechsten Minute zeigte sich, dass Joachim Löw seinen Lauf der richtigen Entscheidungen fortsetzt. Henrichs sprintete über die rechte Seite und passte mit dem perfekten Timing zurück in den Lauf von Leon Goretzka, der seinen ersten von zwei Treffern erzielte.

Benjamin Henrichs ist der jüngste Spieler in einem jungen deutschen Kader. Mit seinen 20 Jahren hätte er auch noch im Juli für die U19 bei der EM in Georgien spielen können. Stefan Kuntz hätte ihn sicher auch gerne im Kader für die EM der U21 gehabt. Joachim Löw aber berief ihn zu den "Großen".

Berufung ist eine Auszeichnung

Schon das war eine Auszeichung, denn der Bundestrainer hatte mehrmals gesagt, dass nur diejenigen zum Confed Cup mitfliegen, die auch ein Jahr später bei der Weltmeisterschaft in Russland "sofort helfen" könnten. Bei einem Amin Younes wird das vermutlich falsche Hoffnungen geweckt haben, denn für ihn ist die Konkurrenz im offensiven Mittelfeld und als Außenstürmer sehr groß.

Bei Henrichs ist das anders, denn er spielt rechter Verteidiger oder eben auf der Position im rechten Mittelfeld, die bei einer Dreierkette entsteht, auf die Löw beim Confed Cup setzt. "Ich habe die Chance nur durch diese Position bekommen", sagte Henrichs in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Henrichs war lange Offensivspieler

Er war lange ein Offensivspieler, der sehr gerne im Zentrum agierte, weil er dort häufiger an den Ball kam und mehr gestalten durfte. Dann rückte er zurück auf die "Sechs", blieb aber wenigstens in einer zentralen Position. Es bedurfte einiger Überzeugungskraft des ehemaligen Leverkusener Trainers Roger Schmidt, aus Benjamin Henrichs einen Außenverteidiger zu machen: "Ich habe mich anfangs sogar ein bisschen geärgert, dass es im Training so gut geklappt hat."

Aber es war genau das richtige Timing. Hinten rechts wie hinten links sind die Chancen weiterhin sehr gut, einen Platz in der Nationalmannschaft zu bekommen. Der Ärger ist bei Benjamin Henrichs längst einer Überzeugung gewichen: "Roger Schmidt hat da wirklich etwas Hervorragendes mit mir gemacht."

Stand: 30.06.2017, 11:45

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