Die rosarote Welt von Russland und FIFA

FIFA-Präsident Gianni Infantino (li.), Russlands OK-Chef Vitaly Mutko

Confed Cup: Abschlusspressekonferenz in St. Petersburg

Die rosarote Welt von Russland und FIFA

Von Marcus Bark (St. Petersburg)

Russland und die FIFA loben sich während der Abschlusspressekonferenz des Confed Cups gegenseitig. Die kritischen Fragen werden abgebügelt, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes steckt einen Seitenhieb ein.

Für die übliche Folklore sorgte der Gastgeber selbst. Alexej Sorokin, Cheforganisator des Cups und auch der Weltmeisterschaft im Sommer 2018, stellte fest: "Wir haben einen neuen Standard vorgegeben, eine neue Benchmark gesetzt."

Alle Bedenken, die es vorher gegeben habe, seien "zerstreut" worden, sagte auch Infantino. Es habe keinerlei Probleme mit Rassismus, Hooligans oder anderen "Vorfällen" gegeben, so der Boss der FIFA am Samstag (01.07.2017) während der Abschlusspressekonferenz am Tag vor dem Finale zwischen Chile und Deutschland. Sie wurde im Bauch des Stadions von St. Petersburg abgehalten, das von nordkoreanischen Zwangsarbeitern mitgebaut worden sein soll. Es gibt zudem viele Indizien auf Korruption, immerhin verschlang die UFO-ähnliche Arena am Ufer der Newa etwa 800 Millionen Euro.

Nachfragen unerwünscht - "Kommen wir wieder zum Fußball"

Es hätten sich eventuell Fragen dazu ergeben, doch der Mediendirektor des Verbandes löste die Runde zeitig auf, weil die Pressekonferenz der Chilenen anstehe: "Kommen wir wieder zum Fußball, zu unserer Leidenschaft."

Den Versuch, die etwa 150 Journalisten für sich einzunehmen, hatte Witali Mutko zuvor unternommen. "Liebe Kolleginnen und Kollegen", begann er seine Ausführungen. Mutko ist der Präsident des russischen Fußballverbandes und Stellvertreter des Ministerpräsidenten Dimitri Medwedew. Der Vertraute des Präsidenten Wladimir Putin war mal Sportminister, gab diesen Posten aber wegen der erdrückenden Hinweise auf staatlich verordnetes Doping ab.

Nachdem die Herren auf dem Podium ihre Eingangsbemerkungen abgeschlossen hatten, in denen unter anderem der Videoschiedsrichter als "die Zukunft des modernen Fußballs" (Infantino) bezeichnet worden war, blieb letztlich noch eine halbe Stunde für Fragen. Es wurden sechs zugelassen, zwei davon waren von regionalem Interesse.

Infantino spottet über DFB-Boss Grindel

Trotzdem erreichte Infantino und Mutko noch das Thema Doping. Die englische Zeitung "Mail on Sunday" und die Sportschau hatten berichtet, dass sämtliche Spieler des russischen WM-Kaders von 2014 möglicherweise gedopt gewesen seien und es 155 verdächtige Proben gebe, die noch gar nicht untersucht worden seien. Richard McLaren, Sonderermittler der Welt-Antidopingagentur (WADA), hatte der ARD von einem möglichen "Vertuschungssystem" berichtet.

Dopinganschuldigungen - Infantino spottet über Vorschlag von DFB-Boss Grindel

Sportschau | 30.06.2017 | 01:30 Min.

Der FIFA-Boss antwortete, dass der Verband erst Strafen aussprechen könne, wenn es positive Tests gebe. Diese gebe es nicht. Einen Seitenhieb verteilte Infantino gegen Reinhard Grindel. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte zuletzt mehrmals gefordert, dass die WADA sämtliche Dopingkontrollen bei der WM untersuchen solle, ohne dass die FIFA auch nur den geringsten Einfluss darauf habe. "Herr Grindel hat jeden Tag eine neue Idee. Das ist großartig", spottete Infantino an der Grenze zum Sarkasmus. Das Verhältnis der beiden Bosse kühlt immer mehr ab.

Sportminister Mutko wischt Dopinganschuldigungen beiseite

Mutko gab zu, dass es im russischen Sport mal Probleme mit Doping gegeben habe, das Überwachungssystem aber neu aufgestellt sei. Seinen Ärger über die latenten Anschuldigungen machte er schließlich gegenüber einem britischen Journalisten Luft: "Wenn ich einen russischen Tanz vor Ihnen aufführe, hören Sie dann auf, diese Fragen zu stellen?" Mit einer bemerkenswerten Portion Naivität fragte er dann mit Blick auf nachträgliche Dopinguntersuchungen und Sperren russischer Olympiateilnehmer: "Nach fünf Jahren findet man dann plötzlich doch etwas. Wie kann das sein?"

1,5 Millionen Selfies - "ein großer Erfolg, auf allen Ebenen"

Mutko, der wegen seines politischen Amtes und möglicher Interessenkonflikte nicht mehr für einen Platz im Exekutivkomitee der FIFA zugelassen wurde, drehte immer wieder den Kopf zu Infantino und nickte zustimmend. Auch andersherum wurde alles getan, um Wohlgefallen zu finden. "Der Confed Cup hat den Enthusiasmus der Russen für Fußball gezeigt", sagte Infantino, "das Turnier war ein großer Erfolg auf allen Ebenen."

Mutko wies als Erfolg aus, dass 27.000 ausländische Fans ohne Visa ins Land gekommen seien. Sie hätten zudem kostenlos mit dem Zug von einer in eine andere Austragungsstadt fahren und kostenloses WLAN im Stadion nutzen können. So seien 1,5 Millionen Selfies verschickt worden. Bliebe die Frage: Woher weiß der Gastgeber das?

Stand: 01.07.2017, 15:18

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