Barrieren am Schwarzen Meer

Der Confed Cup in Russland

Confed Cup: Zwei Wochen in Russland

Barrieren am Schwarzen Meer

Von Marcus Bark (Sotschi)

Sotschi ist für zwei Wochen Sotschi geblieben, auch wenn die FIFA dort ein großes Turnier veranstaltet hat. Die Zeit ist viel zu kurz, um Russland zu verstehen, auch wegen mancher Barrieren.

Vorne sitzt Messi und trampelt, auf dem Kopf trägt er eine Kappe von Olympique Marseille. Das Kind auf dem Gepräckträger hat auch das Trikot der Argentinier an. Auf der roten Kappe steht Russia.

Es ist der Tag des Halbfinalspiels zwischen Mexiko und Deutschland beim Confed Cup in Sotschi. Die Sonne brennt. An der Promenade und am Strand wimmelt es von Menschen. Wer nach Fußball sucht, findet Fußball. Auf die Betonmauer ist Spartak Moscow gesprüht, ein Junge im grünen Trikot der Mexikaner spaziert über den Radweg, die beiden Messis machen es andersherum.

Seit fast 100 Jahren beliebter Badeort

Die Cafés sind am Mittag gut gefüllt, in den Touristenlädchen hängen die T-Shirts mit dem englischen Schriftzug Sochi. Der Ort, seit fast 100 Jahren einer der beliebtesten Badeorte in der Sowjetunion und Russland, erstreckt sich über viele Kilometer an der nördlichen Küste des Schwarzen Meeres.

Strand von Sotschi mit Blick auf das Olympiastadion

Kieselstrand in Sotschi mit Blick auf das Olympiastadion

Da, wo das Olympiastadion steht, in dem jetzt Fußball gespielt wird, sind es nur noch ein paar Kilometer bis nach Abchasien. Die Autonome Republik gehört völkerrechtlich zu Georgien.

"Sperrzone. Betreten verboten", steht auf dem Schild am Zaun, der mit Stacheldraht gesichert ist. Fußball findet sich auch darauf - Aufkleber der Ultras von Dynamo und Spartak Moskau. Wer ohne das nötige Visum nach Abchasien möchte, muss nur ein paar Meter ins Meer gehen und rüberschwimmen.

Warnschild an der Grenze zur Republik Abchasien

Warnschild an der Grenze zur Republik Abchasien

Die Strafe beträgt 5.000 Rubel, knapp 75 Euro. Dann muss es aber gut laufen. Illegaler Grenzübertritt kann nach Angaben des Auswärtigen Amtes sogar langjährige Haftstrafen zur Folge haben.

Kleiner Laden mit Obst und Gemüse im Ortsteil Adler

Kleiner Laden mit Obst und Gemüse im Ortsteil Adler

Parallel zur Promenade führt eine Straße durch Adler, den Ortsteil Sotschis, der seit den Olympischen Winterspielen 2014 weltbekannt ist. Aber die Welt bleibt Sotschi fern, obwohl die Region um Gäste aus dem Westen wirbt.

Die Flugzeit ist kürzer als auf die Kanaren

Die Flugzeit aus Deutschland ist kürzer als auf die Kanaren, das Essen ist sehr gut und eher günstiger, die Ferienanlagen sind sauber und komfortabel ausgestattet. Es gibt viel zu sehen in der Umgebung, abseits des Olympischen Parks und der Vergnügungsmeile, die auch in den früher grünen Streifen gepflastert wurde.

Elena bietet Exkursionen an: nur auf Russisch

Elena bietet Exkursionen an: nur auf Russisch

Elena bietet Exkursionen an zu schönen Höhlen und malerischen Stränden. Jedenfalls versprechen das die Fotos. Elena spricht nur Russisch.

Viele Speisekarten gibt es nur mit kyrillischen Schriftzeichen. Die Gespräche mit der Bedienung sind herzlich, genau wie mit Taxifahrern. Aber was hilft es, wenn keiner den anderen versteht?

Absperrung an der Zufahrtsstraße zum Stadion

Absperrung an der Zufahrtsstraße zum Stadion

Beim Polizisten an der Absperrung hilft es tatsächlich. Er schaut streng und hört sich an, als wolle er das Foto verhindern. Nach einem "English, please" werden die Bemühungen eingestellt.

Brummen der Laubbläser

Vor dem Stadion brummen zwei Laubbläser. Alle paar Stunden kommen die orangenen Wagen und wässern die Straßen. Sotschi ist sauber, sehr sauber.

Olympiastadion in Sotschi

Was das Bild stört, wird eingezäunt.

Was das Bild stört, wird eingezäunt und mit dem roten Stoff behangen, auf dem die Fans willkommen geheißen werden zum Confed Cup und auch schon zur Weltmeisterschaft im Sommer 2018.

"Fehlertoleranz gleich Null"

Die russischen Journalisten fragen die ausländischen Trainer und Spieler gerne, was sie denn von Russland halten. Vom Land, den Leuten, den Stadien. Die meisten Trainer schwärmen, gerade von den Stadien, vom Rasen. Die Deutschen schwärmen vom Klima in Sotschi, vom Meer, vom kurzen Weg zum Flughafen.

Hugo Broos, der Trainer Kameruns, hat fast alles toll gefunden. Nur der Verkehr in St. Petersburg und Moskau, der trotz Polizeieskorten zu langen Verspätungen geführt habe, sei chaotisch gewesen. Das hat die Russen getroffen. "Ihre Fehlertoleranz ist gleich Null. Sie nehmen es sofort persönlich", sagt Judith Merkushev vom Deutschen Akademischen Austauschdienst.

Sotschi-Adler, im Hintergrund das Hotel der deutschen Mannschaft

Sotschi-Adler, im Hintergrund das Hotel der deutschen Mannschaft

Sie hat sechs Jahre in Russland gelebt, vier in Moskau, zwei in Sibirien. Die Lektorin beschreibt die Menschen im Westkaukasus als offen, aber auch in ihren Traditionen verwurzelt.

Ohne Visum und kostenlos mit dem Zug

Zwei Wochen in Sotschi mit kurzem Abstecher nach Kasan sind zu kurz, um ein klares Bild zu zeichnen. Ein Jahr noch, dann werden mehr Fans aus der ganzen Welt kommen. Dann wird in elf statt nur vier Städten gespielt. Aber es wird immer noch nur ein kleiner Streifen dieses riesigen Landes sein, den die Fußballfans kennenlernen.

Sie dürfen dann ohne Visum einreisen, wenn sie eine Eintrittskarte haben. Sie dürfen dann kostenlos mit dem Zug von Spielort zu Spielort fahren. Russland möchte verstanden werden. Das ist schwierig, aber aus der Entfernung unmöglich.

Stand: 29.06.2017, 17:10

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