Niguez, Asensio und Co. - Spaniens nächste goldene Generation

Saul Niguez (r.) und Marco Asensio

Spanien im Finale der U21-EM

Niguez, Asensio und Co. - Spaniens nächste goldene Generation

Von Marco Schyns

Spanien spielt bei der U21-EM wie ein Champion. Der Favorit spazierte dank einer starken Teamleistung und herausragenden Einzelkönnern ins Finale gegen Deutschland. Sportschau.de blickt auf die Protagonisten.

Es ist keine Überraschung, dass Spanien bei der U21-Europameisterschaft in Polen im Finale steht. Genau genommen hätte man schon nach der ersten Viertelstunde im Auftaktspiel gegen Mazedonien nicht mehr eine solche Prognose abgeben können.

Die als Favorit in das Turnier gestarteten Iberer führten zu diesem Zeitpunkt nämlich bereits mit 2:0. Torschützen: Saul Niguez und Marco Asensio. Der eine spielt bei Atletico, der andere bei Real Madrid. Am Ende siegte Spanien souverän mit 5:0 - Asensio steuerte einen Hattrick bei.

Asensio - die Zukunft von Real Madrid

Wenn es am Freitagabend (30.06.17) in Krakau gegen Deutschland geht, wird der Stürmer, der als frischgebackener Champions-League-Sieger nach Polen gereist ist, selbstverständlich mit von der Partie sein. Auch wenn ihm nach dem furiosen Aufakt kein weiterer Treffer gelang.

350-Millionen-Euro-Ausstiegsklausel bei Real Madrid? Marco Asensio

350-Millionen-Euro-Ausstiegsklausel bei Real Madrid? Marco Asensio

Der 21-Jährige gilt als die Zukunft von Real Madrid. Im Champions-League-Finale gegen Juventus Turin steuerte Asensio ebenso einen Treffer bei wie beim Viertelfinalerfolg gegen den FC Bayern. Nicht zuletzt deswegen verlängerten die Königlichen seinen Vertrag jüngst bis 2023, die Austiegsklausel soll laut "Marca" bei 350 Millionen Euro liegen.

Niguez - bei Atletico schon ein Superstar

Dass Spanien trotz Asensios "Torflaute" dennoch alle Partien gewinnen konnte, lag vor allem an seinem kongenialen Partner vom Stadtrivalen. Nach den Auftritten von Saul Niguez, der mit fünf Turniertreffern die Torschützenliste anführt und im Halbfinale gegen Italien alle drei Tore erzielte, gib es keine Zweifel mehr: Der 22-Jährige wird im kommenden Jahr fester Bestandteil der spanischen Nationalmannschaft bei der WM in Russland sein.

Der Mann, der einst als 13-Jähriger in der spanischen Hauptstadt die Seiten wechselte und von Reals Jugend zu Atletico ging, ist Dreh- und Angelpunkt im spanischen Spiel. Im zentralen Mittelfeld beheimatet, taucht Niguez nahezu überall auf - und hat darüber hinaus einen Abschluss, von dem viele Angreifer nur träumen können.

Das und seine hervorragende Ballbeherrschung durften auch schon die Spieler des FC Bayern München bestaunen, als er im Champions-League-Halbfinale 2016 die halbe Bayern-Elf mit einem atemberaubenden Solo stehen ließ und zum 1:0 für Atletico einschob. Mit 157 Spielen in der Primera Division und 30 Champions-League-Partien verfügt kein Spieler im Aufgebot der Spanier über eine derart große Erfahrung. Folglich geht Niguez auch auf dem Feld als Anführer voran, Kapitän ist aber ein anderer.

Deulofeu - Talent mit dem nächsten Anlauf

Will endlich den Durchbruch schaffen: Gerard Deulofeu (r.)

Will endlich den Durchbruch schaffen: Gerard Deulofeu (r.)

Gerard Deulofeu, mit 23 Jahren der drittälteste in Spaniens Kader und zugleich U21-Rekordnationalspieler (35 Spiele), will die Bühne in Polen nutzen, um sich für europäische Topklubs zu empfehlen. Dem 1,74 Meter großen Rechtaußen wurde einst eine glorreiche Karriere prophezeit. 2013 wurde er nach einer überragenden Zweitliga-Saison (18 Tore in 33 Spielen) bei Barcelonas zweiter Mannschaft zu den Profis geholt - dort aber direkt verliehen.

Weder beim FC Everton, noch bei einer anschließenden Leihe in Sevilla konnte er die hohen Erwartungen erfüllen. Und doch verpflichteten ihn die "Toffees" 2015 für rund sechs Millionen Euro. Zuletzt wechselte er im Winter 2017 zum AC Mailand - erneut auf Leihbasis. Nach sehr ordentlichen Leistungen zuletzt holt Barcelona das Talent nun aber zur kommenden Saison immerhin für geschätzt 12 Millionen Euro wieder zurück.

Trainer Celades - mit dem harten Kern zum Erfolg

Deulofeu, Niguez, Asensio - drei Namen die einem beim Blick auf das spanische U21-Team sofort ins Auge springen. Aber die Iberer haben es nicht nur aufgrund ihrer Einzelkönner ins Endspiel geschafft. Ähnlich wie bei den Erfolgen 2011 und 2013 funktioniert die Truppe von Trainer Albert Celades als Team.

Abgesehen vom dritten Gruppenspiel gegen Serbien, als Celades sein Team zur Schonung der Spieler komplett durchwechselte, gab es seit Turnierbeginn gerade einmal zwei Wechsel in der Startelf: José Gaya und Denis Suarez wurden nach dem Mazedonien-Spiel gegen Jonny Castro und Dani Ceballos ausgetauscht. Dabei blieb es bis zuletzt. Und dabei wird es wohl auch für das Finale bleiben.

Llorente, Vallejo, Bellerin - die stillen Arbeiter

Für einige deutsche Akteure bedeutet das, dass sie in Spaniens Abwehr auf einen alten Bekannten aus der Bundesliga treffen werden: Jesus Vallejo. Der 20-Jährige absolvierte in der vergangen Saison 25 Bundesliga-Spiele für Eintracht Frankfurt, kehrt nach dem einjährigen Leihgeschäft aber zu Real Madrid zurück.

Verlässt Frankfurt in Richtung Madrid: Jesus Vallejo (r.)

Verlässt Frankfurt in Richtung Madrid: Jesus Vallejo (r.)

Marcos Llorente, solider Arbeiter im defensiven Mittelfeld, hat im letzten Sommer den gleichen Schritt gewagt. Für Deportivo Alaves absolvierte der 22-Jährige in der abgelaufenen Saison 32 Spiele - und steigerte seinen Marktwert von weniger als einer Million Euro auf geschätzte 15 Millionen Euro.

Im Gegensatz zu diesen beiden Talenten hat Rechtsverteidiger Hector Bellerin den Status des Talents längst hinter sich gelassen. Obwohl er erst kürzlich seinen 22. Geburtstag feierte, kommt Bellerin bereits auf 89 Premier-League und 15 Champions-League-Spiele für den FC Arsenal. Auch er dürfte seinen Platz für die WM 2018 in Russland schon gebucht haben.

Favorit auch im Finale gegen Deutschland

Bis dahin ist aber noch viel Zeit. Und auch wenn es das große Ziel ist, wird kein Spanier am Freitagabend einen Gedanken an die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr verschwenden.

Stattdessen gilt es nach dem bisher souveränen Auftritten mit vier Siegen und einem Torverhältnis von 12:2 Toren aus vier Spielen am Ende auch den Titel in den Händen zu halten. Es wäre der dritte in den letzten sechs Jahren. Eine Überraschung? Sicher nicht.

Stand: 30.06.2017, 17:33

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