Rick Zabel - Aus eigener Kraft nach Paris

Rick Zabel

Deutscher Radprofi bei der Tour de France

Rick Zabel - Aus eigener Kraft nach Paris

Von Michael Ostermann (Longwy)

Rick Zabel fährt zum ersten Mal bei der Tour de France. Die Teilnahme am größten Rennen der Welt soll ihn auch weiter aus dem Schatten seines Vaters Erik treten lassen, der ihm gleich zwei Bürden auferlegt hat.

Man sieht ihm den Vater an. Daran ändert auch die wilde Haartolle nichts, die ihm über die Stirn fällt. Sein Vater dagegen trug das schwarze Haar immer mit Bürstenschnitt. Aber die Mundpartie und die Augen machen es unverkennbar: Rick ist der Sohn von Erik Zabel.

Herkunft nicht verleugnen

Es gibt eine Menge komplizierter Vater-Sohn-Beziehungen im Sport. Oft fällt es den Söhnen nicht leicht, mit dem Ruhm der Väter zurechtzukommen. Jordi, der Sohn des großen Johan Cruyff und selbst ein respektabler Fußballer, ließ auf seine Trikots nur den Vornamen drucken, um dem ständigen Vergleich mit dem legendären Vater zu entgehen. Als würde das Auslassen des Nachnamens tatsächlich dabei helfen, aus dem Schatten zu treten.

Rick Zabel kennt dieses Gefühl. Auch er möchte nicht nur als "der Sohn von…" wahrgenommen werden, sondern als der Radprofi, der er ist. Einer, der gut sprintet, aber anders als sein Vater vor allem dann, wenn es nicht topfeben aufs Ziel zugeht, sondern leicht bergauf. Dennoch will er seinen Namen und seine Herkunft nicht verleugnen. "Ich bin auch ein bisschen stolz auf meinen Namen", sagt er.

Rick Zabel - vom Jungen auf der Schulter zum Tour-Starter

Sportschau | 04.07.2017 | 02:20 Min.

Schon sechs Mal auf dem Podium

Der Name Erik Zabel ist im Radsport mit großen Erfolgen verbunden. Mehr als 200 Siege feierte er als Profi. Darunter waren vier Erfolge beim bedeutenden Frühjahrsklassiker Mailand-Sanremo und zwölf Etappensiege bei der Tour de France. Sechs Mal ließ er sich auf dem Podium in Paris im Grünen Trikot als der beste Sprinter feiern. Jedes Mal war sein Sohn dabei, auf den Schultern des Vaters mit Blick auf die Champs Élysées. "Das waren immer tolle Erlebnisse", erinnert sich Rick Zabel.

Als das Team Katusha ihn nun zum ersten Mal für die Tour nominierte und ihm die Kollegen dazu gratulierten, antwortete er: "Ich war schon sechs Mal auf dem Podium in Paris, für mich war das nie ein großes Ziel, aber jetzt bin ich halt da." Ein Witz natürlich.

Denn auch für ihn ist die Tourteilnahme das große Ziel gewesen, wie für alle anderen Radprofis auch. "Als Rennfahrer lernt man hier so viel, das wertvoll ist für die Karriere", sagt der Vater, der mit seiner Frau Cordula den Tourtross in den ersten drei Tagen begleitet hat. "Wir als Eltern sind sehr froh, dass Rick das erleben darf und er sich das selbst erarbeit hat."

Das Doping des Vaters

Erik Zabel hat seinem Sohn nicht nur die Bürde seiner vielen Erfolge auferlegt. Nach einem ersten, tränenreichen Doping-Teilgeständnis gab er 2013 endgültig zu, dass auch er während seiner Karriere die ganze Palette illegaler Beschleuniger genutzt hatte. Wie so viele andere Radprofis seiner Zeit. Aus dem gefeierten Radstar wurde eine Persona non grata. "Da hat er schon einen Rucksack zu tragen gehabt ohne eigenes Zutun", sagt Erik Zabel. "Er hat aber auch schnell gelernt, sich davon zu emanzipieren."

Rick Zabel sagt, er sei seinem Vater nie böse gewesen. "Doping gehörte zu der Karriere meines Vaters", sagt er. Natürlich habe er wissen wollen, wie und warum der Vater zu Dopingmitteln gegriffen hat. "Ich habe gesehen wie weit oben er war, wie erfolgreich und habe dann all den Scheiß gesehen, den er durchmachen musste. Die Lehre, die ich als Sohn daraus gezogen habe ist, niemals das gleiche zu tun."

Der eigene Weg

Rick war 14 Jahre alt, als sein Vater zum ersten Mal zugab, gedopt zu haben. Kurze Zeit später wechselte er aufs Sportgymnasium nach Erfurt, 350 Kilometer entfernt von seinem Elternhaus in Unna. Er wollte herausbekommen, wie weit er es selbst im Radsport bringen würde.

Schon davor hatten die Leute getuschelt, wenn Zabel junior am Start stand. Und als er besser wurde, weckte das den Ehrgeiz der anderen. "Man attackiert, man sprintet und die anderen fahren immer so ein bisschen auf dein Rad", erinnert er sich. "Aber auf Dauer macht einen das stärker, weil man lernt damit umzugehen und trotzdem zu gewinnen."

Im Alter von 18 Jahren wechselte Zabel junior zum U23-Team des niederländischen Teams Rabobank. Noch vor dem Abitur. Seinem Vater gefiel das nicht, aber er konnte den Sohn nicht davon abbringen. Rick ging seinen eigenen Weg und der führte ihn 2014 in die World Tour zum US-Team BMC. 2105 feierte er seinen bislang einzigen Profisieg. Seit Beginn dieser Saison fährt er an der Seite von Tony Martin für das Team Katusha-Alpecin, weil er dort bessere Chancen sieht, seine Karriere weiter voranzubringen. "Bei BMC wäre es für einen jungen Fahrer wie mich schwierig gewesen, in den Tourkader zu kommen. Für diese Tour etwa wäre das sogar nahezu unmöglich gewesen, wenn man ehrlich ist."

Schmerzhafte erste Erfahrungen

Rick Zabel hat in seinem Leben noch kein Interview gegeben, in dem er nicht auf seinen Vater angesprochen worden ist. "Ich verstehe das. Für mich ist es normal, ich bin es gewohnt, ich bin so aufgewachsen. Ich bin nunmal der Sohn von Erik Zabel, das ist nicht zu verleugnen“, sagt er. "Aber natürlich wird es irgendwann langweilig, weil ich immer die gleichen Antworten habe."

Vielleicht hilft ihm seine erste Tourteilnahme dabei, künftig weniger als der Sohn von Erik Zabel und mehr als Rick Zabel wahrgenommen zu werden. Sein Vater hat ihm nur ein paar grundsätzliche Tipps mit auf den Weg gegeben. Zum Beispiel sich die Ruhe zu nehmen, die er braucht und sich nicht wie er selbst bei seiner ersten Teilnahme zu sehr vom "Monster Tour de France" beeindrucken zu lassen. "Das Beste ist immer noch, eigene Erfahrungen zu machen", sagt Erik Zabel.

Die ersten Tour-Erfahrungen waren schmerzhaft für Rick Zabel. Schon beim Zeitfahren in Düsseldorf stürzte er und auch auf der 2. Etappe war er in einen Sturz verwickelt. Die Bänder in der rechten Schulter sind gerissen. Aber er macht weiter. Er will durchkommen bis Paris mit dem Rad. Aus eigener Kraft.

Stand: 03.07.2017, 17:16

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